Psychologin, was ist das eigentlich?
Bei vielen Menschen gehen die Vorstellungen davon, was eine Psychologin tut oder nicht tut, mit vielen verwandten Berufgruppen durcheinander (so`ne Studierten eben, die mit „Psy…“ anfangen, irgendwie mit Verrückten arbeiten und alles immer analysieren). Um es ganz klar zu sagen: Ich analysiere niemanden und ich betrachte die Menschen, mit denen ich arbeite, nicht als verrückt.
Analysieren können Psychoanalytiker, die haben die entsprechende Ausbildung, nämlich eine Therapieausbildung in Psychoanalyse. Diese Ausbildung ist nur für bestimmte Ärzte und Psychologen zugänglich, das heißt, wenn Sie zu einem Psychoanalytiker gehen, muss das kein Psychologe sein, es kann auch ein Arzt sein! Ein Psychotherapeut hingegen ist jemand, der eine Psychotherapieausbildung gemacht hat. Dabei gibt es fünf große und viele kleine Therapieschulen (Psychoanalyse, Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Systemische Therapie und Körpertherapeutische Ansätze sind die bekanntesten). Ich bin mache Systemische Beratung, das heißt, ich bin Psychotherapeutin mit einer systemisch-familientherapeutischen Zusatzausbildung.
Psychologische Psychotherapeuten hingegen sind Psychologen mit einer der in Deutschland für die Erstattung durch die Krankenkassen zugelassenen Zusatzausbildung. Das sind: Psychoanalyse (kurz:PA), Tiefenpsycho-logisch fundierte Gesprächstherapie (kurz: TP oder GT) und Verhaltenstherapie (VT). Die Systemische Therapie wird in den USA sogar bevorzugt eingesetzt wegen der kurzen Therapiedauer, in Deutschland aber hat sich die Erkenntnis, dass man einen Menschen nicht losgelöst von seinem mitmenschlichen Umfeld betrachten kann, noch nicht durchgesetzt.
Um die Verwirrung vollständig zu machen: Es ist nicht jeder Diplom-Psychologe ein Psychotherapeut. Viele Psychologen haben keine therapeutische Ausbildung, sondern beschäftigen sich mit vielen anderen interessanten Aspekten des menschlichen Verhaltens. Zum Beispiel mit der Frage, wie man ein Verkehrsleitsystem oder eine Benutzeroberfläche so konzipiert, dass es jeder verstehen kann. Oder wie sich der Lärm eines Haushaltsgeräts auf das Kaufverhalten auswirkt (Hätten Sie´s gewusst: Spülmaschinen dürfen unbegrenzt leise sein, aber leisen Staubsaugern unterstellt man eine geringere Saugleistung!)
Ein Psychiater dagegen ist gar kein Psychologe, sondern ein Arzt mit einer mehrjährigen Zusatzausbildung. Im Gegensatz zum Psychologen darf er Rezepte ausstellen und uneingeschränkt mit „Verrückten“ arbeiten.
Auf mich bezogen heißt das:
Ich bin Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin mit einer Zusatzausbildung in Systemischer Beratung. Ich darf keine Rezepte ausstellen, nicht mit den Krankenkassen abrechnen (außer bei Präventionskursen) und nicht mit „Verrückten“ arbeiten. Sollte ich jemanden für verrückt halten, muss ich ihn zum Psychiater oder Psychologischen Psychotherapeuten schicken. Aber keine Angst: Das ist bislang noch nicht vorgekommen! Außerdem verstehe ich mich als Gesundheitspsychologin, das heißt, dass ich mich der gesundheitlichen Prävention verschrieben habe, weil ich das für ein gesellschaftlich relevantes Thema halte. Meine Diplomarbeit habe ich geschrieben über die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen im Bereich „Alkohol am Arbeitsplatz“.
Systemische Beraterin, was ist das eigentlich?
„Systemiker“ gehen von der Annahme aus, das menschliches Verhalten nur verstehbar ist, wenn man auch das persönliche und gesellschaftliche Umfeld des Klienten in Betracht zieht. Dabei entscheidet oft der gesellschaftliche Kontext, ob ein Verhalten als „verrückt“ gilt. Wenn zum Beispiel 22 erwachsene Männer hinter einem aufgeblasenen Lederflicken hinterher rennen, oder Leute 100€ zahlen, um dabei zugucken zu dürfen, dann gilt das als normal.
Wenn jemand jedoch aufgrund jahrelanger schlechter Erfahrungen Depressionen entwickelt, dann gilt er als „verrückt“. Sie merken schon, dass ich - wie viele Systemiker - mit diesen Begriffen von Normalität und „Verrücktheit“ nicht gerne arbeite. Sätze wie: Ein „krankhaftes“ Verhalten ist eine „gesunde“ Reaktion auf eine krankmachende Umgebung, stammen von aus der Feder von Systemikern.
Weil ich das oft gefragt werde: Ja, man kann auch mit einer einzelnen Person systemisch arbeiten, es muss nicht die ganze Familie oder Firma erscheinen.
Im Fall einer Einzelberatung arbeite ich mit der inneren Repräsentation des Systems im Kopf des Klienten. Wer schon mal etwas von „Familienstellen“ gehört hat, der weiß, dass so etwas gut funktionieren kann. Aber auch dann, wenn Ihr Problem nichts mit anderen Menschen zu tun hat, kann man systemisch arbeiten, denn jeder von uns ist innerlich auch ein „psychisches System“. Jeder füllt verschiedene Rollen aus und hat verschiedene Verhaltensweisen „in Petto“, die miteinander in Konkurrenz treten und zu Prob-lemen führen können.
Wer es ganz genau wissen will, was ich da treibe, dem sei gesagt: Ich habe die Lösungsorientierte Kurzzeit-therapie nach Insoo Kim Berg und Steve de Shazer gelernt. Das ist eine spezielle systemische Therapie-form aus den USA, die vor allem auf eine kurze Therapiedauer sowie eine hohe Eigenverantwortung des Klienten setzt. Dabei wird weniger mit der Vergangenheit oder den „Mängeln“ des Klienten gearbeitet, sondern mit seinen Ressourcen und persönlichen Zielen.
Es handelt sich dabei überwiegend um Fragetechniken, die helfen, den Sachverhalt im Kopf des Klienten neu zu strukturieren, so dass er meist von allein auf eine für ihn machbare Lösung kommt. Dazu habe ich durch Aufbaukurse und Selbststudium einen ganzen Blumenstrauß von Zusatz-techniken erarbeitet, wie das „Stellen“ von Problemen („Skulpturtechniken“) oder Gruppenverfahren. Eine Berufstätige Mutter von zwei Kindern - Sie meinen, das ist keine Qualifikation? Doch, denn auch Lebenser-fahrung gehört zum Beruf der Psychologin dazu! Meine große Tochter habe ich lange Jahre als Alleinerziehende großgezogen und nebenbei gearbeitet und studiert. Deswegen habe ich ein besonderes Anliegen, berufstätigen Eltern und finanziell schwachen Alleinerziehenden zu helfen. Da ich selbst mit dieser Lebenssituation sehr vertraut bin, kann ich auch gut nachvollziehen, welche Bedürfnisse dabei auf der Strecke bleiben. Sie ahnen es schon: Mein Lieblingsthema ist ⇒ Stressbewältigung.